Hoteltest

Lofthotel

„Viel weiss man nicht über Othmar Blumer. Aber der Gründer der Spinnerei Murg muss ein mutiger Mann gewesen sein: denn es brauchte eine gehörige Portion Pioniergeist, um an diesem schwer zugänglichen Platz eingeklemmt zwischen Walensee und Felsen, eine Fabrik zu bauen.“ So beginnt die Geschichte der Spinnerei Murg, die heute das Lofthotel beherbergt – in Gemäuern, die 180 Jahre alt sind. In den Anfangszeiten der Spinnerei fanden hier 400 Menschen Arbeit. In den 1990er Jahren wurde es, obwohl die Spinnerei gerade neue Maschinen angeschafft hatte, eng für das Gewerbe: die Kunden wanderten nach Osteuropa, später nach Asien ab, weil dort wesentlich günstiger produziert wurde. Der starke Schweizerfranken belastete die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich.

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1996 ist es soweit: der wichtigste Arbeitgeber im Dorf muss schließen. 2002 wird die sagibeiz in der ehemaligen Sägerei eröffnet, Ort für kulturelle Veranstaltungen. 2008 öffnet dann das Lofthotel in der ehemaligen Spinnerei seine Türen. Kurz darauf wird das Areal mit dem Architekturpreis „Roter Nagel“ ausgezeichnet. Das Hotel hat einen Wellnessbereich, einen privaten Spa mit Seesicht, einen Fitnessraum und eine öffentlich nutzbare Tennis- und Eventhalle. Das Designhotel, das sich mit 3 Sternen superior schmückt, verfügt über Loftzimmer, Suiten sowie Bikerlofts. Alle 19 Zimmer greifen die Industrievergangenheit auf und sind nach einem Arbeitsraum der ehemaligen Spinnerei benannt. Die Bikerlofts haben einen integrierten Parkplatz für das Motorrad mitten im Zimmer, so dass der eingefleischte Biker sein gutes Stück nie aus den Augen verliert. Gäste schätzen die Größe und Behaglichkeit der Zimmer, ausserdem gibt es kostenloses drahtloses Internet und auch Fahrräder gibt es kostenlos zur Miete. Die Eigentümer, Esther von Ziegler und ihr Mann haben bewusst die Patina der Räume belassen und einen Industrial Style geschaffen, der sich abhebt vom Heimatstil vieler umliegender Hotels und Pensionen. Dank der Materialien wirkt er aber nicht kalt – lokale Hölzer und warme Farben sorgen für einen warmen Ton.

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Im Restaurant mit Seeterrasse serviert die Küche phantasievolle Gerichte, hergestellt überwiegend aus lokalen Produkten. Im Sommer werden köstliche Tapas unter Trauerweiden gereicht. Im Winter hat der sagisteg mit dem gemütlichen Cheminée für Gäste geöffnet. Nicht weit gelegen ist die sennästube auf der Alp Tannenboden mit einer hauseigenen Brauchtumskäserei. Hier ist man aktiv: Bogenschiessen, Schneeschuhtouren, Fackelwanderungen, Kräuterwanderungen, Husky-Schlittentouren oder Iglu bauen. Sogar Käse machen kann man hier lernen. Es gibt genügend Räume für Tagungen, Meetings oder Feiern. Die Räumlichkeiten sind der perfekte Nährboden für Kunst und Kultur. Deshalb gründete man den Verein seekultour. Er hat bereits das ganze Areal mit Kunstwerken bestückt und mit dem Bildweg zwischen Murg-Mühlehorn-Au-Quinten den ersten Schritt um den See gemacht.

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Royal Hotel San Remo

1872 wurde das Royal Hotel San Remo als 5-Sterne Haus eröffnet, und seitdem hat es nichts von seiner Eleganz eingebüßt. Wenn man auch heute keine europäischen Königshäupter oder Aristokraten mehr hier antrifft, weht doch der Hauch dieser Epoche in die Lobby. Markenzeichen des Hauses ist der Pool, der vom Frühjahr bis zum Herbst bei einer konstanten Wassertemperatur von 27 Grad genutzt werden kann. Ihn hat der Designer Giò Ponti 1948 entworfen. Ponti gab zu Protokoll: „Ich hasse rechteckige Pools. Sind Seen und Flüsse vielleicht rechteckig? Ich möchte Schwimmbecken für Wassernymphen, in die man von einem Baum aus reinspringen kann, mit einer Bar am Wasserrand.“

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Eingerahmt ist der Pool von einem subtropischem Park. Wer lieber im echten Meer badet: der Sandstrand mit hunderten von Sonnenliegen ist nur wenige Schritte entfernt. Wie in ähnlichen Häusern dieser Klasse fehlt heute auch kein gut ausgebautes Spa nicht mehr.  Im San Remo nutzt man Produkte von Payot und Decléor sowie Tauleto Spa aus Italien. Tauleto Spa hat Inhaltsstoffe roter Trauben, Fruchtsäure, Vitamine und Antioxidantien. Für Massagen und Anwendungen gibt es vier Spa-Suiten.

Breakfast

Die 126 Zimmer und Suiten sind gediegen gestaltet, man muß aber auf keine technischen Details verzichten. Überall es freies WLAN zu empfangen, Klimaanlage und Digital-TV, auch Radio und Minibar fehlen nicht. Wer es noch luxuriöser mag: gerade wurden die Sissi Suite mit 111 Quadratmeter und die Aurora Suite mit 94 Quadratmetern von Grund auf renoviert. Beide haben jeweils 2 Schlafzimmer und Meerblick, eine große Terrasse mit Liegestühlen. Sogar in einem veritablen Gazebo, einer Art Freilufttempel, kann man hier entspannen. Im Marmorbad gibt es standesgemäß einen Whirlpool.

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Wir sind in Italien, und da spielt gutes Essen eine Hauptrolle. Im Hauptrestaurant Fiori di Murano setzt man auf regionale Küche, in diesem Fall die Küche Liguriens. Jeder Gang ist um ein spezielles Olivenöl herum aufgebaut. Chefkoch Flavio Leone ist auch auf die Optik der Gerichte, die aus der Küche kommen, wichtig. Sogar der halbflüssige Schokoladenkuchen zum Dessert enthält eine Essenz eines leichten Olivenöls. Für dieses Restaurant ist formelle Kleidung empfohlen, während es am Pool-Restaurant oder an der Bar „Corellina“ etwas zwangloser zugeht. Wer es richtig romantisch mag, sollte einen Tisch im Gourmet-Restaurant „Il Giardino“ buchen, das, wie es der Name sagt, im parkähnlichen Garten des Hauses steht. Dieses Dinner bei Kerzenschein kann aber nur in den Monaten von Juni bis September arrangiert werden.

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Die Sorgfalt und Freundlichkeit des Personals kommt an, und so hat sich das Feedback der Gäste in den letzten Jahren nochmals verbessert und kann mühelos mit den besten Häusern im benachbarten Monaco oder Nizza mithalten. Man spürt, dass das Management des Hotels auf das Wohlergehen jedes einzelnen Gastes bedacht ist und auch ausgefallene Wünsche erfüllt, sofern es möglich ist. In Laufweite des Hotels befinden sich das Casino, das Ariston-Theater und die russische Kathedrale.

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Noch ein Tipp zum Schluss: Gästen mit empfindlichen Ohren wird die viel befahrene Küstenstraße, die direkt vor dem Haus verläuft, vielleicht mißfallen. Dies sollte bei der Zimmerbuchung gleich mitgeteilt werden.

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Hotel Adlon, Berlin

In den goldenen 20er Jahren übernachteten hier reiche Amerikaner, zu den prominenten Gästen zählten unter anderem Charlie Chaplin, Thomas Mann, Marlene Dietrich, Albert Einstein und Greta Garbo. Marlene Dietrich soll im Adlon sogar entdeckt worden sein. 1997 wurde das Haus wiedereröffnet, jetzt mit 304 Zimmern und 78 Suiten. Diese große Zahl ist allerdings auch der Grund dafür, dass die Lobby kleiner ausfiel – ein Manko, das wahrscheinlich dem Grundstückspreis an dieser Stelle geschuldet ist. So viel zur Geschichte.

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Um den Bau dieses roten Baldachins gab es einen Rechtsstreit mit der Denkmalschutzbehörde…

Der Eincheckvorgang verläuft hochprofessionell, am Schalter sind ausschließlich hübsche junge Damen beschäftigt, die natürlich perfekt englisch sprechen. Mir wird Flóra Gacs vorgestellt, eine der „Ladies in Red“, die, gekleidet  in einer roten Uniform, die Gäste aufs Zimmer begleiten.

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Alle Ladies lächeln unentwegt dieses diskrete Lächeln, das in der Luxushotellerie wohl international Standard ist. Um im Aufzug nach oben zu fahren, benötige ich meine Zimmerkarte, was auch reibungslos funktioniert. Ein schönes Detail: in den Aufzügen rattert ein historischer Zeiger von Stockwerk zu Stockwerk, wie man es aus alten Filmen kennt. Die schwere Zimmertür öffnet sich, und ich betrete eine Suite, die größer als meine eigenen Wohnung ist. Im Vorraum ein üppiger Strauß frischer weißer Blumen, es folgen Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Ankleideraum und Toilette. Die Suite geht über die Ecke des Hauses, so dass ich fast alle wichtigen Monumente der Stadt sehen kann: das Brandenburger Tor direkt vor dem Haus, die Goldelse im Tiergarten, den Reichstag mit der Kuppel, die Prachtstrasse Unter Den Linden, den Fernsehturm und den Berliner Dom. Schwierigkeiten habe ich nur, die schweren Vorhänge beseite zu ziehen, was elektrisch geht. Diese nervige Suchen kenne ich aus vielen Hotelzimmern. Hier liegt der Schalter aber wirklich SEHR versteckt: er befindet sich IM Nachtisch, und zwar in der Schublade, neben Reglern für die Klimaanlage und anderen Dingen.

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Dann erst fällt mein Blick auf den Couchtisch, der einen Brief mit einer Grußkarte der PR-Dame enthält, daneben eine Flasche eisgekühlter Moet Chandon, ein kleines Brandenburger Tor aus Schokolade und eine Schale mit leckeren frischen Beeren, Obst und handgefertigten Pralinen aus der Adlon-Confiserie. So werde nicht nur ich, sondern jeder Besucher der Brandenburger-Tor-Suite verwöhnt. Der Preis dafür liegt übrigens (an jenem Tag) bei 1000 Euro, inklusive Frühstück. Zum Vergleich: das günstigste Zimmer im Adlon kostet in dieser Periode 260 Euro.  Die technische Ausstattung lässt ebenfalls wenig zu wünschen übrig: es gibt zwei Flachbild-Fernseher, einer davon in einer altmodischen Holztruhe, ein Ipad, und sogar noch ein richtiges Telefon. Im Bücherregal stehen neben dem obligatorischen Neuen Testament Bildbände über Berlin, sowie ein Buch über Breslau.

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Von einem Bad im Whirlpool sehe ich an jenem Abend ab, weil es draussen einfach zu heiss ist. Eine kühle Dusche ist genug. Das Frühstück am nächsten Morgen ist entsprechend fürstlich, zur Begrüßung gab es erst einmal einen grünen Gemüsetrunk in die Hand – der Frühstückskellner blickt erwartungsvoll, ob er auch restlos geleert würde… Von frisch gepressten Obstsäften über frisch gebratene Omeletts bis zu Fisch und Kaviar fehlt nichts am Frühstücksbuffett. Eine Berliner Zeitung auf der Terrasse am Pariser Platz zu lesen, am Nebentisch flirtete der Kellner vergnügt mit einem jungen Pärchen aus den USA – ist fast wie Urlaub in der eigenen Stadt. Soll ich noch eine Stadtführung mitmachen, die um 11 Uhr direkt vor dem Haus beginnt?

Die Reise wurde unterstützt vom Hotel Adlon.

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