Zur Mutter aller Saunen

Wer in die Badegärten nach Eibenstock reist, kann dort ursprüngliche Saunen wie in Karelien erleben

Eibenstock in Sachsen, 650 Meter über dem Meeresspiegel, einen etwas abgelegenen Ort im Erzgebirge zu nennen, wäre fast eine Untertreibung. Zur Grenze nach Tschechien sind es von hier nur 13 Kilometer; in der Umgebung findet man verschlafene Orte wie Aue, Schneeberg oder Schönheide. Der Bäcker in der Ortsmitte backt Brot und Kuchen noch jeden Tag selbst, trotzdem kostet ein mit Vanillecreme gefüllter Schokokuchen nur 60 Cent. Statt mit „Guten Tag“ begrüßt man sich hier gerne noch mit „Glück Auf!“ In diese abgelegene, wunderbare Naturlandschaft kommen Saunafreunde aus ganz Ostdeutschland.

„Es erwartet Sie eine russisch-karelische Saunalandschaft“, lesen Besucher der Badegärten Eibenstock am Eingang. Von russischen oder finnischen Saunen hat man schon gehört, aber was sind karelische Saunen? Karelien ist eine historische Landschaft, die heute zwischen Russland und Finnland liegt. Hier gibt es die karelische Rauchsauna, die zu den ältesten Saunen der Welt zählt. Um sie aufzuheizen, verbrennt man Holz in einem offenen Steinofen. Dieser Ofen hat keinen Schornstein, und man kann sich gut vorstellen, warum diese Sauna Rauchsauna heisst. Der Rauch des Feuers entweicht durch Schlitze in den Decken und den Wänden. In die Sauna geht man erst, wenn der Raum gründlich gelüftet ist. Früher diente diese Sauna auch zum Räuchern des Fisches, zum Bierbrauen und zur Getreidetrocknung, war also äußerst nachhaltig angelegt. Die rußgeschwärzten Holzdecken haben noch eine Nebenwirkung: durch sie wird die Hitze als „seidenweich“ empfunden. Diese Rauchsauna ist übrigens eine der wenigen Rauchsaunen in Deutschland! Sie wird ergänzt durch spezielle Aufgüsse wie den Terva-Aufguss und den Vasta-Aufguss. Neben der Rauchsauna warten noch 13 weitere heisse Verlockungen auf die Besucher. Ein Sauna-Tag reicht kaum aus, um sie alle kennenzulernen. Da wäre die Banja Kreml, die einer alten Festung mit Holzbrücken und Holztürmen nachgebaut ist. Der Hauptturm ist 13 Meter hoch, drinnen kann man bei 75 Grad schwitzen. Die Bojaren-Sauna liegt am Naturbadesee und lockt mit einem 20 Meter hohen Bojaren-Haus. Mit seinen Zwiebeltürmchen und Verzierungen fühlt man sich in das Zarenreich versetzt. Drinnen ist Platz für 130 Personen auf zwei Etagen! Sie ist, wie alle Saunen hier, in Blockbauweise aus riesigen Stämmen handgefertigt in Sibirien.

Ein Spektakel sind die Show-Aufgüsse, die mit Farben, Düften, Musik und Verkleidung die Sauna zum Theater werden lassen. Wellness und Gesundheit verbindet das Eibenstocker Bierbad. Hier sitzt man wie im Mittelalter in großen Holzbottichen im Freien, dem warmen Wasser wird dunkles Doppelbock – Bier zugesetzt, das einen Alkoholgehalt von 7,5% hat. Während des Rituals sollte das Bier auch parallel „eingenommen“ werden. Das Bier macht die Haut weich, zart und elastisch, Botox ist folglich nicht mehr nötig. In einen Badezuber passen 3 bis 6 Personen, das Wasser wird derweilen mit einem Holzfeuer klimaneutral erwärmt. Weiter geht es mit der Erdrauchsauna, die direkt in die Erde gebaut ist. Aufgeheizt wird sie mit einem karelischen Rauchsaunaofen aus geschichteten Steinen. Diese Steine geben über längere Zeit eine äußerst angenehme Strahlungswärme ab. Aus Lautsprechern im Inneren der Sauna tönen alte karelische Weisen, was der Sitzung eine ganz besondere Note verleiht.

Wer lieber auf das Bewährte setzt, kann auch in die finnische Holzsauna gehen und anschließend ein Fußbad nehmen. Im Garten liegt die Hühnerfußbanja, die auf Pfählen steht. Sie ähnelt dem Hühnerfußhäuschen der russischen Märchenhexe Babajaga, älteren Ostdeutschen ist sie gut bekannt. Hier werden alte Hexenkräuter geschmort, die einen eigenwilligen Duft entfalten. In der Ritualbanja kann gemäß russischer Tradition auch gegessen werden. Hier sollte man das Wenik-Ritual buchen. Zur Einstimmung ein Gläschen Wodka, dann der erste Aufguss mit Birkensud. Anschließend wird es gesellig bei Salbeitee und Bortsch. Dann fragt der Saunameister mit vielsagendem Blick, ob man Schmerzen möge. Und es erfolgen die „Auspeitschungen“ mit Birkenzweigen, die direkt aus Sibirien angeliefert werden. Zum Versöhnung dann noch ein Honig-Salz-Peeling.

Desweiteren: ein Dampfbad, eine Meditationssauna, ein Rasulbad, ein Kamaburo (Steinsauna) und ein Ovemalik (Seifenschaummassage). Zur Entspannung stehen Liegen am Kaminfeuer oder Futons im japanischen Garten. Normalerweise geht man, wie überall in Deutschland, nackt in die Saunen und legt sich auf ein Saunatuch, doch in Eibenstock gibt es auch eine „Textilsauna“ für Sauna-Anfänger und Schüchterne. Massagen aller Art gibt es im Spa, und Übernachten ist im Saunadorf ebenfalls möglich, in Schäferwagen aus Holz mit Holzofenheizung. Man setzt in den Saunagärten auf völlige Entspannung – WLAN gibt es auf dem ganzen Gelände nicht.

 

 

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