Das beste Restaurant von Berlin?

Ein Clubrestaurant eines Yachtclubs am Wannsee, nur schwer zugänglich, wurde von Nutzern des Portals Trip Advisor unter rund 7000 Restaurants als das Beste Restaurant von Berlin gewählt.

 

Trip Advisor, das Portal, das mittlerweile mehr als 7000 Restaurants in Berlin gelistet hat, ist kein Gourmetführer. Es ist gemacht von Menschen wie du und ich, und gerade deswegen so beliebt. So erstaunt es auch nicht, dass sich unter den 10 besten Restaurants in Berlin „nur“ drei anerkannte Gourmettempel befinden. Da ist zum einen das Facil im Mandala Hotel, für das Michael Kempf zwei Michelin-Sterne erhielt, da ist der Biberbau, der einen Michelin-Stern vorweisen kann und das Sky Kitchen im Penthouse des andel’s Hotel in Lichtenberg, ebenfalls ein Michelin-Stern. Die übrigen sieben Restaurants sind über die ganze Stadt verteilt und haben zum Teil abstruse Konzepte; und manch einer fragt sich, wieso gerade diese Läden als „die Besten“ von Berlin herhalten sollen.

Da ist das „häppies“ im Prenzlauer Berg, das sich auf Germknödel in kuriosen Zusammenstellungen, immer vegetarisch, spezialisiert hat, da ist ein äußerlich unauffälliger Italiener an der Karl-Marx-Allee, der von Gastro-Kritikern lediglich mit durchschnittlichen Noten wegkommt, von Trip-Advisor-Schreibern jedoch fast durchweg als herausragend bewertet wird. Und das bei gefühlt mehreren tausend italienischen Restaurants in der Stadt.

„Toll, lecker, wunderbar“ sind die Adjektive, mit denen die Hobby-Kritiker das Restaurant Langgosch beschreiben, ebenfalls unter den ersten zehn. Manch einer erwähnt hier, dass es Pasta und Pizza auch in glutenfreier Variation gibt, in Berlin immer noch eine Seltenheit.

Das Ristorante & Vinobar CaliBocca in Charlottenburg wird von auffällig vielen italienischen Besuchern mit fünf Sternen bewertet, was sicher kein schlechtes Zeichen ist. Ähnlich verhält es sich mit dem „Masteca e tasi“ in Friedrichshain – oder lassen die italienischen amigos nur einen ihrer Freunde hochleben?

Ein modisches Restaurant am Fernsehturm am Alexanderplatz, dem touristisch wohl am höchsten frequentierten Punkt Berlins, spricht dafür, dass hier viele Einmal-Besucher ihr Votum abgaben. Die Speisekarte listet Hamburger, Pommes Frites und Thai-Gerichte auf, ein Zeichen, dass man auf den Massengeschmack aus ist. Wirklich eins der 10 besten Restaurants von Berlin?

Seit mehreren Monaten auf Platz eins allerdings rangiert dabei ein Restaurant, das wohl eines der am besten versteckten Restaurants der Hauptstadt ist. Mehr als 200 Fünf-Sterne-Bewertungen sprechen eine deutliche Sprache: Das Restaurant mit dem bizarren Namen „Club – Restaurant Das Team „Die Eselin von A.“ ist kein normales Restaurant. Das fängt schon bei der Anreise an: der Wannseebadweg ist einer der wenigen Orte in Berlin, die nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Er liegt direkt neben der „Halbinsel der Millionäre“, Schwanwerder am Wannsee. Vom S-Bahnhof Nikolassee sind es rund zwei Kilometer Fußweg durch den Grunewald – die kleine, kaum befahrene Wald-Straße ist nachts idyllisch mit Alt-Berliner Gaslaternen beleuchtet.

Man könnte es auch die Berliner Version des Cafe del Mar auf Ibiza nennen, denn an kaum einem anderen Ort kann man schönere Sonnenuntergänge an einer Uferterrasse mit Blick auf Segelyachten und den von Wald umrandeten Wannsee genießen.

Die nächste Hürde: der Einlass. Das Restaurant liegt auf dem Gelände des Berliner Yachtclubs 1867, einem der größten der rund 150 Berliner Segelvereine. Das Gelände ist umzäunt, das Restaurant von außen nicht erkennbar. Mit dem Auto darf auf das Gelände nur fahren, wer einen Schlüssel für die Pforte hat und eine Gummimatte, die unter das Auto gelegt werden muss – das Wannseeufer ist Wasserschutzgebiet, hier gelten strenge Umweltschutzauflagen. Bleibt also die (ebenfalls gut versteckte) Klingel. Wenn man sagt, dass man im Restaurant essen möchte, wird man meist eingelassen. Das Restaurant befindet sich im neu erbauten, schicken Clubhaus, und ist erst seit kurzem für Nicht-Mitglieder zugänglich. „Wir hatten eine Diskussion darüber mit den Mitgliedern, und nicht alle waren für eine Öffnung des Restaurants für Nicht-Mitglieder“, erzählt Harry Wolleschak, der neue Restaurantchef.

Während andere Segelvereine Clubrestaurants mit Hausmannskost zu günstigen Preisen haben, holte sich der Berliner Yachtclub den in Berlin bereits bekannten Restaurantchef des Restaurants „Die Eselin von A.“, das vorher seinen Sitz an verschiedenen Orten in Schöneberg und Wannsee hatte. Schon an diesen Orten verzeichnete Wolleschak sehr gute Bewertungen. Doch das neue Ambiente, in einer Idylle, die man kaum mit einer Großstadt in Verbindung bringt, verzaubert wohl alle Gäste – also die, die es bis hinein ins Restaurant schaffen. Wolleschak muss hier nämlich eine Einschränkung machen: „Wir haben die Verpflichtung, 50% unserer Plätze für Clubmitglieder freizuhalten“, gibt er zu. Das erklärt den kleinen Hinweis auf der Internetseite des Restaurants, dass „Reservierungen erbeten“ seien. Das gilt vor allem für die Freiluftsaison, in der es die Gäste auf die gemütlichen Sofas oder die Tische mit Seeblick zieht. Der Sonnenuntergang über dem See ist tatsächlich grandios, dazu kommt, dass man auf den Sofas oder am Kamin einfach mit anderen Gästen ins Gespräch kommt. Man taucht dabei ein in die Welt der Yachties, die manchmal auf einer Weltreise in Berlin Station machen und untereinander einen lockeren Umgang pflegen.

Das Restaurant ist das ganze Jahr geöffnet, außer im Januar. In den Wintermonaten sitzt man drinnen um einen rundum verglasten Kamin, in dem ein Holzfeuer brennt, und blickt auf die Wasserfläche, die dann fast immer leer ist. Zu dieser Zeit sind Vorbestellungen im Restaurant meist nicht notwendig.

Die Speisekarte ist unspektakulär, klein und übersichtlich und scheint damit den Nerv der Gäste zu treffen. Bei den Vorspeisen taucht eine ganze Artischocke auf, die von fast unnormaler Größe ist, mit Kerbelvinaigrette und Aioli kostet sie 12,50 Euro. Die Hauptgerichte bieten für Vegetarier einzig eine Backkartoffel mit Kräuterquark für 4,90 Euro an, Fleischesser sind hier wesentlich besser aufgehoben. Für sie gibt es Schnitzel, Rinderfilet, Entenbrust oder Königsberger Klopse; die Fischgerichte sind „Surf und Turf“ mit einem Pfund Garnelen und einer Currywurst oder Tunfisch mit Kartoffel, Blumenkohl-Kokos und Honig-Kapern. Wenig Experimente also, alles ist handwerklich perfekt zubereitet, aus hochwertigen Zutaten zubereitet und nicht überteuert.

Ähnlich überschaubar wie die Speisekarte ist die Weinkarte, wobei aber jeder Wein ein Treffer ist, vom Chef persönlich ausgesucht.

Man hat es also einfach bei der „Eselin“, und als Gast, oft vom Berliner Servicepersonal gebeutelt, wird man hier umsorgt und umhegt wie ein langjähriger Stammgast. Tatsächlich scheinen die Gerichte, je einfacher sie gemacht sind, umso besser anzukommen. „Die Qualität des Essens ist grandios. Insbesondere der Kartoffel-Gurkensalat!“ schreibt eine Kommentarorin. Ein Gast aus Frankreich lobt neben der exzellenten Essensqualität auch den „warmen Empfang in meiner Muttersprache“. Bei den deutschen Gästen wird das Schnitzel am meisten gelobt – es hat niemand behauptet, dass bei einem Portal wie trip advisor nur Gourmets andocken.

Das Restaurant hat übrigens eine schlechte Bewertung mit nur einem Stern. Sie stammt von einem Gast, der das Restaurant nicht fand.

 

 

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