Trendstadt Bukarest?

Von vielen wird die rumänische Hauptstadt als Trendziel der kommenden Jahre gehandelt. Die touristische Infrastruktur ist noch im Aufbau.

„Als Michael Jackson sein Konzert in unserer Stadt gab, rief er „Hello Budapest“ in die Menge“, erinnert sich Andreea, die in Bukarest aufwuchs, heute aber in München lebt. Die Bukarester waren erst ein wenig empört, verziehen dem Popstar den Fehler aber schnell. Für Ausländer ähneln sich die Namen der beiden Hauptstädte sehr, und Michael Jackson war nicht der einzige, der dies verwechselte.

Auch die Musiker von Metallica, Iron Maiden, Lenny Kravitz und Ozzy Osbourne machten den gleichen Fehler. In die Schlagzeilen der Bukarester Zeitungen gerieten im Jahr 2012 400 spanische Fußballfans, die Flugtickets nach Budapest buchten, obwohl ihre Mannschaft in Bukarest spielte. Während Budapest fest im europäischen Städtetourismus verankert ist, schlummert Bukarest derzeit noch ein wenig im Dornröschenschlaf. Die meisten kennen – wenigstens vom Foto her – den Parlamentspalast, der auf einem künstlich errichteten Hügel thront und mit mehr als 1000 Zimmern das zweitgrößte Regierungsgebäude der Welt ist, nach dem Pentagon. Andreea kennt seine Geschichte: Diktator Ceausescu ließ ihn in den 80er Jahren für die unglaubliche Summe von 3,5 Milliarden Dollar errichten, um seine Allmacht zu demonstrieren. Währenddessen musste das Volk hungern, Lebensmittel gab es nur begrenzt auf Karten. „Haus des Sieges über das Volk“ nannte der Volksmund das Gebäude, und heute können Touristen Besichtigungstouren durch einen Teil des Gebäudes buchen. Nur rund 400 Zimmer wurden bis 1990 fertiggestellt, als das Ehepaar Ceausescu zum Tode verurteilt wurde. 700 Architekten und rund 20.000 Arbeiter schufteten rund um die Uhr fünf Jahre lang, um den Palast zu errichten. Innen ist er mit Marmor und schweren Kronleuchtern ausgestattet, mit Blattgold wurde ebenfalls nicht gespart. So kann sich das Gebäude mit dem Superlativ „schwerstes Gebäude der Welt“ schmücken, pro Jahr sinkt es um 5 Millimeter in den Boden ein.

Eine andere Art von Architektur findet sich entlang der Calea Victoriei, die sich durch die Altstadt zieht. Hier fallen gewaltige Paläste ins Auge, die Ende des 19. Jahrhunderts im französischen Stil errichtet wurden, zu dieser Zeit nannte sich Bukarest gerne auch „Klein Paris“. Sogar eine Imitation des Pariser Arc de Triomphe findet sich in Bukarest, er wurde nach dem ersten Weltkrieg zum Ruhm der rumänischen Armee gebaut. Auf einem Spaziergang über die Calea Victoriei sollte man nicht nur die pompösen Theater, Grandhotels und Bankgebäude ins Blickfeld nehmen, sondern sich auch einmal in dunkle, verlottert wirkende Passagen hineinwagen. Unter Art-Deco-Glasdächern gerät man in antiquierte Innenhöfe, Wäsche hängt vor den Fenstern und der Putz blättert überall ab. Die ganze klassizistische Pracht, das ist unübersehbar, die vor sich hin modert und bröckelt, kann die Stadtkasse nicht kurzfristig sanieren. Statt dessen hängen vor maroden Fassaden riesige Werbeplakate von Mobilfunkfirmen, und die meisten dienen nicht als Sichtblende für Baustellen, sondern hängen schon Jahre dort.

Stadtführer haben ihre Route meist entlang der Victoriei gewählt, denn hier finden sich die prägnantesten Stationen der jüngeren Geschichte des Landes. Angefangen vom Platz der Revolution, an dem sich bis 1989 des Gebäude des Zentralkomittees der kommunistischen Partei befand. Hier versuchte Ceausescu in den Revolutionstagen mit einem Hubschrauber zu fliehen, doch er konnte seiner Erschießung nicht entkommen. „Dies wurde sogar im Fernsehen übertragen, damit das ganze Volk es sehen konnte“, erzählt Andreea.

Beim Revolutionsdenkmal, das einem spitzen Stab ähnelt, der eine Kartoffel aufspießt, erzählen Stadtführer gerne, warum das Denkmal mutwillig beschädigt wurde. Die meisten Rumänen können mit dem Denkmal nichts anfangen, und der Hass darauf wurde noch größer, als man erfuhr, dass es 1,5 Millionen Euro gekostet hat.

Die meisten Touristen findet man auf der Lipscani-Straße. Hier gibt es Bierlokale und mittelprächtige Pizzerien, echte rumänische Kost jedoch eher selten. Die findet man eher in abseits gelegenen Lokalen wie dem Lacrimi Si Sfinti an der Sepcari-Straße. Hipster mit langen Bärten und fetten Brillengestellen strömen dagegen ins Restaurant Energiea in der Nähe des Flussufers, an der Straße Ion Brezoianu. Dass Bukarest dabei ist, sich auf mehr Touristen einzustellen, ist auch am Angebot von Airbnb zu beobachten: Das Angebot an stylishen Unterkünften, die meist um 20 Euro pro Nacht liegen, ist im vergangenen Jahr stark angewachsen. Die Preise der Metro werden sparsame Besucher reizen: für rund einen Euro gibt es einen Fahrschein, der für zwei Fahrten gültig ist. An einigen Boulevards sind inzwischen mustergültige Radwege errichtet, doch Radfahren ist den meisten Rumänen immer noch suspekt: in der ganzen Stadt gibt es nur einen einzigen Radverleih.

„Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass Rumänien in den nächsten Jahren einen touristischen Boom erleben wird“, behauptet der Reiseblogger Corwin von Kuhwede. Und noch etwas reizt den Fotografen: „Ich habe bisher noch an keinem Ort der Welt so eine große Dichte an äußerst attraktiven Damen gesehen wie in Bukarest“.

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