Spreewald im Winter

Brrrr – wie???? Du willst jetzt im eiskalten November in den Spreewald, ins Wasser? Meine Bekannten bemitleideten mich schon im Voraus. Was soll ich sagen? Ich würde jederzeit wieder „Winterstaken“, oder wie nennt sich diese Aktivität? Mit dem Rudel, und nicht mit dem Paddel, wie mich die netten Blogger belehrten, mit denen ich 2 Tage unterwegs war. Bei der Kennenlernrunde im Restaurant im Schloss Lübbenau schaute ich erst mal in schreckstarre Gesichter. Wegen meiner Ankündigung, auf meinem Blog gäbe es die Rubik „Nie wieder“, wo ich Reisen, Restaurants und Hotels hinpacke, die mir nicht gefallen haben. Keine Angst – diese Reise würde NIE und NIMMER dorthin platziert! Arrangiert hat sie mit viel Liebe und Sorgfalt Kora Kutschbach vom Tourismusverband Spreewald, und natürlich war sie für alle Blogger kostenlos 🙂 Schloss Lübbenau stammt aus dem Jahr 1817 und gehörte dem Grafen Lynar. Er war an den Vorbereitungen zum Hitler-Putsch beteiligt, wurde in Berlin-Plötzensee hingerichtet und seine Familie wurde enteignet. Zu DDR-Zeiten wurde das Schloss als Krankenhaus und Kinderheim genutzt, jetzt verfügt die Gräfliche Familie wieder darüber.

Los ging es also mit Kahn und Stocherstange, Wolldecken und Glühwein, zusammen mit einer lustigen Seniorengruppe aus Sachsen (sind die nicht immer lustig dort?) Der Kahn-Kapitän unterhielt uns mit launigen Anekdoten, von denen ich leider die Hälfte hier nicht wiedergeben darf, wegen grenzwertigem Sexismus…. Lustig waren sie trotzdem! Die Nebel waberten, die Moorhexen hockten in sumpfigen Löchern, kurz: es war genau das Gegenteil einer sommerlichen Kahnfahrt, still und mystisch – unter den totenstillen Bäumen durchzugleiten, das Spreewalddorf Lehde lag auch schon im Winterschlaf. Höhepunkt der Fahrt war eine Katze, die ansetzte, um ins eiskalte Wasser zu springen. Falsch gedacht! In einem eleganten Satz sprang sie rund zwei Meter aus dem Stand ans andere Ufer! (Leider zu schnell, um meine Kamera hervorzukramen…)

Danach arrangierte man etwas ACTION für uns – eine 100 Jahre alte Bürgermeisterin mit dichten grauen Locken führte uns durch das Museum der Stadt Lübbenau, wo verschiedene Kramläden und Geschäfte aufgebaut waren. Die Lebensmittel, Gehröcke und Hüte waren allerdings nicht zu verkaufen. Dafür musste ich der guten Dame andauernd ihren Regenschirm und ihre Handtasche halten. Im Museum ist außerdem bis zum 11. Februar 2018 die Ausstellung „Akt und Landschaft“ von Klaus Ender zu sehen, die 1975 von mehr als 100.000 DDR-Bürgern besucht wurde. Es war die erste Akt-Ausstellung der DDR.

In Burg im Spreewald, dem flächenmässig grösstem Dorf Deutschlands, wurden wir dann tiefenentspannt. Und zwar durch einen 45-minütigen Aufenthalt in einer Salzgrotte, die mit leiser Flötenmusik beschallt war. Danach besuchten wir den netten Herrn Ballaschk, dem es in seinem Angestelltenjob zu langweilig wurde, und er deshalb eine veritable Destillerie aus dem Brandenburger Boden stampfte. Der Likör aus der Schwarzen Johannisbeere schmeckte mir so gut, dass ich mir eine Flasche mitnahm. Auch der Geist aus der grünen Walnuss war ziemlich lecker. Leicht angeheitert ging es dann zur Pension „Zum Schlangenkönig„, die sich als noble Ferienanlage entpuppte. Meine Suite hatte sogar einen Kaminofen, neben dem ein paar grobe Holzscheite lagen, aber kein Anmachholz. So kokelte ich ein wenig herum, bis ich ein schönes Feuer am Laufen hatte.

Am nächsten Morgen, noch vor dem Frühstück, holte uns Personaltrainerin Juliane Barufke ab, eine Stunde Nordic Walking war angesagt. Es ging zwischen Kühen, umgestürzten Bäumen und Ziegen hindurch, und ich erfuhr einige Neuigkeiten über die Burger Dorfjugend und ihre Problem mit dem Abnehmen. Sogar am Wohnsitz eines mutmaßlichen Reichsbürgers, die sollen ja jetzt überall sein, kamen wir vorbei.

Als wäre ich danach noch nicht fit genug, ließ man mir noch eine Stunde Qi Gong angedeihen,  mit Trainer Thomas Schlott im Haus Spree Balance. Ich kann es wärmstens weiterempfehlen, zumal es auch einige philosophische Elemente enthält. „Im alten China bezahlte man Ärzte nur dann, wenn man gesund war. Wenn man krank wurde, bekam der Arzt nichts mehr“ – das behauptet jedenfalls Herr Schlott zu wissen.

Oben: Geräuchertes Forellenfilet und Kürbis-Chutney an Feldsalat mit Kirschtomaten und Currygurken, Himbeerdresing

Im Haus Spree Balance gab es dann auch wieder etwas zu futtern – hübsch angerichtet und sehr gut im Geschmack, und dazu ohne Gluten! Da eine waschechte Sorbin zugegen war, entspann sich noch eine interessante Diskussion über die Integration der Sorben im Spreewald, die allerdings jetzt diesen Blogeintrag sprengen würde. Dann noch mal Kahnfahren – diesmal mit dem „Kamin-Kahn“, an dem man sich an einem kleinen Lagerfeuer aus Gasflammen wärmen konnte. Der Tag endete mit einer 3-stündigen Bade- und Saunaorgie in den Spreewaldthermen in Burg – allein zum Testen der 9 Saunen habe ich die Zeit gut gebraucht.

Fakten zum Spreewald: Größe: 475 Quadratkilometer

6000 Tierarten und Pflanzenarten

1500 Kilometer Fließe, die meisten davon im Wald und zwischen 0,5 m und 1,5 m tief

Weitere Winter-Tipps:

Spreewald-Weihnachtsmarkt – der Weihnachtsmarkt, der nur per Kahn erreichbar ist. Abfahrt am Großen Spreewaldhafen Lübbenau am 2.3.9.10. Dezember

DDR-Museum Burg

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Spreewald

 

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