Herzlich -nicht- willkommen

Dass man bei der Einreise nach Israel aufpassen muss, wenn man im Reisepass Stempel von gewissen arabischen Nachbarländern hat, ist ja allseits bekannt. Im günstigsten Fall führt dies zu langwierigen Befragungen und Kontrollen der Sicherheitskräfte am Flughäfen, im ungünstigsten Fall wird einem die Einreise verweigert. Manche Vielreisende haben ja angeblich für solche Fälle zwei Reisepässe – die sollten nur nicht verwechselt werden! Die arabischen „Nachbarn“ antworten mit gleicher Münze: wer einen israelischen Stempel im Reisepass hat, darf zum Beispiel nicht nach Dubai einreisen.

Bei Reisen nach Guatemala gibt es zwar zumeist keine Schwierigkeiten bei der Einreise. Misstrauisch macht jedoch ein „Service“ der Tourismusbehörde des Landes. Es stellt jeder Touristengruppe, die durch das Landesinnere (meist zu den Maya-Ruinen) reist, kostenlos ein Polizeifahrzeug zur Verfügung, welches den Touristen auffällig in wenigen Metern Abstand folgt. „Dies ist ein Service des Tourismusamtes Guatemala zum Schutz der Touristen“, ist auf einem Aufkleber auf dem Polizeiauto zu lesen. Während meiner ganzen Reise durch das Land sind wir ein einziges Mal auf deutsche Touristen gestoßen, denen ein Fotoapparat geklaut wurde. Von sonstigen Überfällen auf Touristen habe ich nichts gehört – entweder hat die Vorsichtsmaßnahme gewirkt, oder sie ist etwas übertrieben.

Auch Nordkorea gehört zu den Ländern, in denen die Einreise für Touristen nicht gerade leicht gemacht wird. „Eine Reise nach Nordkorea ist mit einigen bürokratischen Hindernissen verbunden“, heisst es diplomatisch auf wikitravel. Gruppenreisen werden eher genemigt, wer allein reist, dem kann schon mal die Einreise verweigert werden. Wer als Beruf „Journalist“ angibt, wird gar nicht eingelassen. Wer einmal drin ist, muss gut aufpassen: eine Kontaktaufnahme jeglicher Art zur einheimischen Bevölkerung ist strikt untersagt. Wer also mit einem Nordkoreaner Worte wechselt, muss mit „empfindlichen“ Strafen rechnen. Leicht dürfte das sowieso nicht sein: jeder Tourist steht während der ganzen Reise pausenlos unter Beobachtung.

Die „risk map“ der britischen Firma Control Risks weist auf Länder hin, in die eine Reise zur Gefahr werden kann. Aktuell wird von Reisen nach Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia, Burkina Faso und Niger abgeraten, auch in Nord-Korea und Guyana lauern Gefahren.

Auch Weissrussland, das unbekannte Land zwischen Litauen und Russland, macht seinen Besuchern die Einreise nicht leicht, wie ich vor kurzem am eigenen Leib erfuhr.

Violetta aus Brest rief eines Tages einfach an, weil ich mein Skype eingeschaltet hatte. Wie sie auf meine Adresse gekommen ist, weiß ich bis heute nicht, aber nach dem ersten, überraschenden Telefonat – Violetta möchte gerne etwas Englisch lernen – folgten viele weitere. Nach und nach erfuhr ich, dass Violetta Mitte dreißig ist, in Brest wohnt, und dass Brest neben Minsk eine der großen Städte des Staates Belarus ist, der auch Weißrussland genannt wird. Offensichtlich langweilte sich Violetta im Haus ihrer Eltern, sie hat nur einen Halbtagsjob, und die Freizeitmöglichkeiten scheinen in Brest nicht die allerbesten zu sein. Weil sie beim Skypen immer auch die Kamera einschaltete, konnte ich sehen, wie sie angezogen ist und wie eine weißrussische Wohnung von innen aussieht. Nach einem Jahr Internettelefonie beschloss ich, Violettas Einladung zu folgen und sie in ihrer Heimatstadt zu besuchen. Die Informationen über touristische Besuche in Weissrussland, die ich dann im Internet heraussuchte, versprachen ein kleines Abenteuer. In einem Forum wurde berichtet, dass man bloß keine Laptops mit nach Belarus nehmen solle, Grenzbeamte würden diese hin und wieder wegen „Sicherheitsrisiken“ konfiszieren. Auch eine abfällige Meinung über Präsident Lukaschenka öffentlich auf der Strasse zu äußern, sollte man tunlichst bleiben lassen, mit Gefängnisaufenthalten sei dieser Staat nicht sparsam. Es gab noch eine absurde Episode einer Begegnung Lukaschenkas mit dem ehemaligen deutschen Außenminister Westerwelle, die ich jetzt nicht wiederholen will. Die Bevölkerung von Belarus hat einiges mitgemacht: Die Katastrophe von Tschernobyl hat immer noch schwere Folgen für sie. 70% des Fallouts des GAU gingen auf Belarus nieder, und heute leben hunderttausende Menschen mit erhöhter Strahlung, es gibt Missbildungen bei Babies und Bluterkrankungen.

Es fahren derart wenige Menschen nach Weissrussland, dass es nicht einmal einen deutschsprachigen Reiseführer für dieses Land gibt, und das will bei der Menge der Reiseführer auf dem deutschen Markt schon etwas heißen.

Zuerst brauchte ich aber ein Visum. Das gibt es gegen Barzahlung von 60 Euro in der „Botschaft der Republik Belarus“, die in einer gediegenen Villa am Rande des Treptower Parks im Osten Berlins residiert. Dort liegen ein paar altmodische Prospekte aus, die wenig überzeugend von den „freundlichen Menschen“ in Belarus und der „weiten, naturbelassenen Landschaft“ berichten, was wohl bedeutet, dass es nicht viel Sehenswertes in dem seit 20 Jahren unabhängigen Staat mit 9,5 Millionen Einwohnern gibt. Ob zwei Wochen für die Ausstellung des Visums ausreichen würden, fragte ich den Beamten. „Kein Problem, wir schicken Ihnen das Visum und Ihren Reisepass nach Hause.“ Ich schob das Geld für einen Einschreibbrief über den Tresen und wartete. Drei Tage vor meinem Abflugtermin erreichte mich ein Anruf der Botschaft. „Warum wollen Sie nach Belarus reisen? Wie teuer war ihr Flugticket? Kennen Sie jemand in Belarus?“ Der Frageton war angestrengt höflich, doch die Art der Fragen erinnerten stark an längst vergangen geglaubte kommunistische Zeiten. Ich erinnerte den Fragesteller dann am Ende des Gesprächs, mir das Visum schnellstmöglich zuzuschicken, da mein Reisetermin drängte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Violetta wartete vergebens auf deutschen Besuch. Das Visum – und mein Reisepass – sind bis heute nicht bei mir angekommen. Statt, wie vereinbart, das Visum per Einschreiben zu schicken, habe man es „aus Versehen“ mit einem normalen Brief geschickt, erklärte ein Botschaftsmitarbeiter per email. Wer meinen Pass heute in den Händen hält, werde ich wohl nicht mehr erfahren. Die touristische Öffnung des Landes wird durch eine solche Abfertigung kaum erleichtert. Nachtrag: seit kurzem gibt es kurzzeitige Touristenvisa, die ohne große Formalitäten an der Grenze beantragt werden können.

 

 

 

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