Das Paris der Bohemiens – ein Wochenende voller Luxus

Was ist Luxus? Ist es das Fläschen mit der Aufschrift „sleep spray“, das im Badezimmer des Hotels Banke steht? Und wo soll es appliziert werden? Der Butler gibt Auskunft – vor dem Schlafengehen aufs Kopfkissen sprühen, und dann würde man selig wie die Engelchen einnicken… Hört sich gut an, doch ob es so einfach funktioniert? Das Hotel ist jedenfalls schon mal ein guter Start für das verlängerte Luxuswochenende in Paris, man gönnt sich ja sonst nichts. Es gehört einer Familie aus Barcelona, deren Hobby es ist, um die Welt zu reisen und Antiquitäten und ausgesuchtes Kunsthandwerk mitzubringen. Dies wird dann in Vitrinen in den Gängen des Hotels ausgestellt und gibt dem 5-Sterne-Haus eine besondere Note. Ursprünglich war das Hotel Banke, einen Katzensprung von den Galeries Lafayette entfernt, eine Bank für Juwelen.

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Die großzügige Schalterhalle mit Kuppeldach ließen die neuen Hoteleigner zur Lobby umbauen, darin hat auch noch das Restaurant Lola Platz. Und eine gediegene Cocktailbar, wo der Barmann das Eis für die Cocktails mit einer Axt aus einem riesigen Eisblock herausschlägt und dann passend für die Gläser stutzt. Kleiner Wermutstropfen: die pompösen Kamine in den Suiten sind leider nicht mehr in Betrieb, und auch auf die Balkone darf man nicht treten.
Der Montmartre ist vielleicht nicht gerade das Stadtviertel mit Luxusadressen, doch hier versteckt sich einer der Weinberge von Paris, vielleicht sogar der schönste. Der „Clos de Montmartre“ ist umschlossen von Mauern, die Eingangstüren sind immer verriegelt. Der Garten ist prächtig in Schuss, mit vielen blühenden Blumen, Mäuerchen und einem runden Weintempel, ganz mit Weinreben umrankt in der Mitte der Anlage. Dort können die seltenen auserwählten Besucher den Roséwein „Clos de Montmartre“ probieren – pro Jahr werden nur rund 2000 Halbliterflaschen davon gekeltert. Der Weinberg wurde in den 30er Jahren von einer Künstlergruppe angelegt, und ist auch heute noch in den Händen der Commune Libre de Montmartre, die den Wein auf Wohltätigkeitsveranstaltungen verkauft.

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Neben dem Weinberg versteckt sich ein weiterer Geheimtipp – das älteste Cabaret von Paris namens Au Lapin Agile. In dem hutzeligen Häuschen kurz unterhalb der Bergkuppe versammelt sich jeden Abend eine Gemeinde, um Rotwein zu trinken und französische Volkslieder zu schmettern. Mikrofone gibt es hier nicht, damit die „ambiance et l‘atmosphère unique et montmartroise“ nicht gestört wird. Der Eintritt von 28 Euro beinhaltet immerhin das erste Glas Wein.

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Für Luxus-Shopping gibt es natürlich die altbekannten Adressen am Place Vendome oder an der Rue Saint-Honoré, doch wie wäre es mal, die versteckten Läden und Passagen am Palace Royale auszuprobieren? Anne Parmentier führt hier ihre Gäste bevorzugt hin. „Sehen Sie mal, hier, direkt gegenüber des Louvre, gibt es seit Jahrzehnten ein Fachgeschäft für Zinnfiguren“, erzählt sie mit erstauntem Ton. „Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie auch eine Szene mit einer Guillotine finden, vielleicht nicht unbedingt als Geschenk für Kinder geeignet“. Gleich um die Ecke ist der Laden von Didier Ludot, eine Hommage ans kleine Schwarze. Der Laden ist in nur drei Farben designt: schwarz, rot und gold. Die Kleider, die an den roten Samt-Bügeln hängen, sind aus den 50er und 60er Jahren. „Die Ladenpassagen, die hier im 19. Jahrhundert angelegt wurden, waren sozusagen das erste Einkaufszentrum Europas“, weiß Parmentier. Standen vor Jahren hier noch viele Geschäfte leer, sind nun fast alle vermietet. Neben modernen Modedesignern gibt es auch Vintage-Läden, die alte Modelle berühmter Designer verkaufen. Ein Brillengeschäft, Maison Bonnet, fertigt Gestelle aus dem Panzer von Schildkröten an, dahinter hat ein Maßschuhmacher seine Werkstatt. Einen Schnupper wert ist „Les Parfums de Rosine“, eine der besten Parfümerien der Stadt. Die meisten Düfte spielen mit dem Geruch der Rose. Nicht nur Pariser Designer ließen sich in den Arkaden nieder. So ist die berühmte Modedesignerin Sophie Hong aus Taiwan mit einem Laden am Palais Royale vertreten. Groß ist er nicht – doch auf den 11 Quadratmetern finden sich wahre Preziosen, außerdem eine äußerst charmante Bedienung.

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Wenn man durch einen kleinen Durchgang an den Arkaden schlüpft, gelangt man zu den schönsten Alt-Pariser Passagen, der Passage Vivienne und der Passage Colbert. Hier traf sich einst die Pariser Boheme. Mit ihren Mosaikböden und den Glaskuppendächern im Jugendstil machen die Passagen das Windowshopping, die Franzosen sagen dazu „lèche vitrines“ (wörtlich übersetzt Schaufensterlecken) zum Erlebnis. Empfehlenswert ist hier der Teesalon „a priori thé“, der auch guten Kuchen hat. Die Bistrots sind gut besetzt, die Menschen genießen den Café und die Sonne, und die Terror-Attentate scheinen weit entfernt zu sein. Klassiker von Joe Dassin und Francoise Hardy klingen aus den Lautsprechern, hier ist Paris ein Sehnsuchtsort.
Zum Mittagessen empfiehlt der Concierge das neue Restaurant von Alain Ducasse in Les Halles, Champeaux. Es ist eine Wiederbelebung des 1800 gegründeten Restaurants am Place de la Bourse, und verewigt in den Romanen von Emile Zola. In den hypermodern gestylten neuen Les Halles ist es ein wenig schwierig zu finden, Hinweistafeln sind noch nicht fertig. Der Name – obwohl es schon sein 28. Restaurant ist – zieht, es ist brechend voll. An einer Anflug- und Abflugtafel, wie sie früher an Flughäfen angebracht waren, rattert das Geschehen vorüber. „13:30: Abflug einiger Souffés mit grünem Spargel“ wird gerade angezeigt. Nette Idee! Das Essen ist tatsächlich erstklassig, mit Ausnahme der Soufflés. Zum Schokoladen-Soufflé, dessen Schokoladengeschmack fast untergeht, wird eine Kugel durchschnittliches Schokoladeneis gereicht.

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Als Kontrastprogramm geht es abends auf die Empfehlung einer französischen Freundin in den Marais. Hier, in dem belebten Viertel der Juden und Schwulen, gibt es den angeblich „besten Falafel der Welt“ in der Rue de Roisiers. Welche Hausnummer, wird hier nicht verraten, nur so viel: Schlange stehen lohnt sich!
Zum Schluss noch ein deutscher Name in Paris: vor drei Jahren eröffnete Karl Lagerfeld den ersten Concept Store am Boulevard Saint Germain. Natürlich ist es viel mehr als einfach ein Modeladen. Es gibt ein Separée, in dem man sich mit dem gewünschten Look per Touchscreen fotografieren kann und dies anschließend auf facebook posten kann.

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Deutsche Einkaufsbegleitung und Stadtführung:
Shopping-Touren mit Denise http://www.help-tourists-in-paris.com

Buchtipp
Paris
Ralf Nestmeyer
Michael Müller Verlag, 2015
17,90 Euro

Information
de.france.fr

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