Adlon

Diese neue Rubrik wird die Hotels beschreiben, die ich getestet und für gut befunden habe. Für den Anfang beschreite ich einen ungewöhnlichen Weg: ich übernachte zum erstenmal in der Stadt, in der ich wohne, im Hotel. Und zwar im besten Hotelzimmer, was die Lage angeht: Der Brandenburger Tor Suite im Hotel Adlon am Pariser Platz. Das Adlon wurde 1907 von Lorenz Adlon erbaut und brannte im Zweiten Weltkrieg nieder. Mit Baukosten von 20 Millionen Mark war es fast doppelt so teuer wie der Berliner Dom. Das Adlon ist der Hotelmythos unter den deutschen Häusern.

In den goldenen 20er Jahren übernachteten hier reiche Amerikaner, zu den prominenten Gästen zählten unter anderem Charlie Chaplin, Thomas Mann, Marlene Dietrich, Albert Einstein und Greta Garbo. Marlene Dietrich soll im Adlon sogar entdeckt worden sein. 1997 wurde das Haus wiedereröffnet, jetzt mit 304 Zimmern und 78 Suiten. Diese große Zahl ist allerdings auch der Grund dafür, dass die Lobby kleiner ausfiel – ein Manko, das wahrscheinlich dem Grundstückspreis an dieser Stelle geschuldet ist. So viel zur Geschichte.

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Um den Bau dieses roten Baldachins gab es einen Rechtsstreit mit der Denkmalschutzbehörde…

Der Eincheckvorgang verläuft hochprofessionell, am Schalter sind ausschließlich hübsche junge Damen beschäftigt, die natürlich perfekt englisch sprechen. Mir wird Flóra Gacs vorgestellt, eine der „Ladies in Red“, die, gekleidet  in einer roten Uniform, die Gäste aufs Zimmer begleiten.

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Alle Ladies lächeln unentwegt dieses diskrete Lächeln, das in der Luxushotellerie wohl international Standard ist. Um im Aufzug nach oben zu fahren, benötige ich meine Zimmerkarte, was auch reibungslos funktioniert. Ein schönes Detail: in den Aufzügen rattert ein historischer Zeiger von Stockwerk zu Stockwerk, wie man es aus alten Filmen kennt. Die schwere Zimmertür öffnet sich, und ich betrete eine Suite, die größer als meine eigenen Wohnung ist. Im Vorraum ein üppiger Strauß frischer weißer Blumen, es folgen Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Ankleideraum und Toilette. Die Suite geht über die Ecke des Hauses, so dass ich fast alle wichtigen Monumente der Stadt sehen kann: das Brandenburger Tor direkt vor dem Haus, die Goldelse im Tiergarten, den Reichstag mit der Kuppel, die Prachtstrasse Unter Den Linden, den Fernsehturm und den Berliner Dom. Schwierigkeiten habe ich nur, die schweren Vorhänge beseite zu ziehen, was elektrisch geht. Diese nervige Suchen kenne ich aus vielen Hotelzimmern. Hier liegt der Schalter aber wirklich SEHR versteckt: er befindet sich IM Nachtisch, und zwar in der Schublade, neben Reglern für die Klimaanlage und anderen Dingen.

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Dann erst fällt mein Blick auf den Couchtisch, der einen Brief mit einer Grußkarte der PR-Dame enthält, daneben eine Flasche eisgekühlter Moet Chandon, ein kleines Brandenburger Tor aus Schokolade und eine Schale mit leckeren frischen Beeren, Obst und handgefertigten Pralinen aus der Adlon-Confiserie. So werde nicht nur ich, sondern jeder Besucher der Brandenburger-Tor-Suite verwöhnt. Der Preis dafür liegt übrigens (an jenem Tag) bei 1000 Euro, inklusive Frühstück. Zum Vergleich: das günstigste Zimmer im Adlon kostet in dieser Periode 260 Euro.  Die technische Ausstattung lässt ebenfalls wenig zu wünschen übrig: es gibt zwei Flachbild-Fernseher, einer davon in einer altmodischen Holztruhe, ein Ipad, und sogar noch ein richtiges Telefon. Im Bücherregal stehen neben dem obligatorischen Neuen Testament Bildbände über Berlin, sowie ein Buch über Breslau.

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Von einem Bad im Whirlpool sehe ich an jenem Abend ab, weil es draussen einfach zu heiss ist. Eine kühle Dusche ist genug. Das Frühstück am nächsten Morgen ist entsprechend fürstlich, zur Begrüßung gab es erst einmal einen grünen Gemüsetrunk in die Hand – der Frühstückskellner blickt erwartungsvoll, ob er auch restlos geleert würde… Von frisch gepressten Obstsäften über frisch gebratene Omeletts bis zu Fisch und Kaviar fehlt nichts am Frühstücksbuffett. Eine Berliner Zeitung auf der Terrasse am Pariser Platz zu lesen, am Nebentisch flirtete der Kellner vergnügt mit einem jungen Pärchen aus den USA – ist fast wie Urlaub in der eigenen Stadt. Soll ich noch eine Stadtführung mitmachen, die um 11 Uhr direkt vor dem Haus beginnt?

Die Reise wurde unterstützt vom Hotel Adlon.

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