Yoga in 1800 Meter Höhe!

Etwas abgelegen ist Arosa schon: Das Hochtal in Graubünden ist nur von Chur aus erreichbar. Die Bergbahn von Chur aus benötigt fast eine Stunde für die steile Strecke, die wunderbare Ausblicke in tiefe Gebirgstäler bietet. Die Bahnhöfe, besser gesagt Holzhütten, die man dabei passiert, sind allesamt erstklassige Fotomotive. Am Endbahnhof Arosa (der Ort hat rund 2000 Einwohner) steht man direkt am Seeufer des Obersees. Hier Yoga zu machen, in reiner Gebirgsluft in 1800 Meter Höhe, ist eine gute Idee.

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Angeboten wird das Yoga Retreat vom Hotel Kulm Arosa, dem besten Haus am Ort. Zu Fuß vom Bahnhof sind es etwa 25 Minuten bergauf. Doch der Concierge des Hauses wartet schon am Bahnhof, um die Yoga-Schüler mit ihrem Gepäck abzuholen. Vier Tage lang steht jeden Tag Kundalini-Yoga mit der Lehrerin Eileen Seibt aus Berlin auf dem Programm. Eineinhalb Stunden morgens, vor dem Frühstück, und eineinhalb Stunden nachmittags vor dem Abendessen. Das Hotel, das seit 1880 besteht, hat viele Stammgäste. Die meisten kommen natürlich zum Wandern, nun versucht die Hotelleitung mit dem Yoga-Angebot neue Gäste anzulocken. Zum Kurs hat sich nur eine Teilnehmerin angemeldet, eine ältere Dame aus Bern. Eileen Seibt ist trotzdem voller Elan – wer kann schon Yoga auf einer akkurat gemähten Wiese machen, schneebedeckte Bergkuppen im Hintergrund, und das mitten im Juli? Nebenan ist ein Minigolfplatz, das waren die Freizeitaktivitäten der 70er-Jahre, die hier immer noch aktuell sind. Der Hotelchef, der jeden Gast persönlich begrüsst, ist ausserdem auf die Modelleisenbahnanlage stolz. Kinder können dort einen Franken einwerfen, und dann setzen sich einige Züge in Bewegung.

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Eileen ist ganz in weiß gekleidet, mit einer luftigen Bluse. Ihr langes Haar hat sie in einen weißen Turban gehüllt. Kundalini-Yoga ist eine Yogarichtung, die mit dem Tantra verbunden ist. Kurzgesagt spielt Atmen beim Kundalini-Yoga eine wichtige Rolle, und die Reinigung der Chakren, damit die aufsteigende Kundalini-Energie freien Fluss hat. Das Feueratmen am ersten Tag stößt jedoch noch auf Schwierigkeiten bei der Yoga-Schülerin, die tapfer bis zum Ende der Stunde durchhält.
Die lange gehaltenen Übungen verursachen bisweilen auch Muskelkater. Dafür werden die Teilnehmer mit einer Wanderung durch die blühenden Gebirgswiesen entschädigt. Eine „Kräuterhexe“ erklärt dabei, welche Kräuter sich für Salate, Suppen oder andere Speisen eignen. „In zwei Stunden habt ihr die notwendigen Kräuter beisammen“, gibt Küchenchef Pascal Kleber den Teilnehmern mit auf den Weg. Er hat das Menü genau auf die Kräuter, die zur Zeit wachsen, abgestimmt. Für die Sauerampferravioli benötigt man rund 20 Blätter Sauerampfer, für die Brennesselsuppe rund eine Handvoll Brennesseln. „Angst davor, dass sie stechen, braucht ihr nicht zu haben“, sagt Kleber. Sein Tip: „Nur die weiblichen Brennesseln ernten, die stechen nicht.“ Es gibt einen kleinen Trick, wie man sie leicht erkennt.

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Sogar für das Dessert kommen Kräuter zur Anwendung. Die „Thymiansabayone“ braucht es aber nur einen Zweig Thymian, es ist fast mehr Dekoration. Am Ende trumpft die Brennesselsuppe, die mit Schweizer Weisswein und Noilly Prat abgeschmeckt ist, bei den Gästen auf. Sogar die blauen Glockenblumen kann man ernten, sie geben Salaten oder Süßspeisen eine bunte Note. Und die weiß blühende Schafgabe, die ebenfalls einfach zu finden ist, hilft gegen Akne und Blähungen. Von den Brennesseln kann man sogar einen Spinat herstellen. „Die Brennessel wirkt gegen eine Vielzahl von Krankheiten, von Rheuma, Gicht bis zu Durchfall und Bluthochdruck“, sagt Kleber.
Für die Zeiten, in denen keine Yoga-Übungen anstehen, gibt es zur Erfrischung den herrlichen Untersee in der Dorfmitte. Im Gegensatz zum Älplisee oberhalb des Dorfes, in dem selbst im Hochsommer die Wassertemperatur kaum 12 Grad überschreitet, ist das Bad im Untersee angenehm von der Temperatur. Der Eintritt in das Strandbad ist frei, und die Aroser Dorfjugend nimmt das Angebot gern wahr – zumal es auch noch feinsandige Beachvolleyballplätze am Strand gibt. Das Baden in 1800 Meter Höhe hat Tradition: bereits im Jahr 1890 wurden die ersten Umkleidekabinen eingeweiht. Man war schon damals stolz darauf, den bekannten Fremdenverkehrsorten der Schweiz Konkurrenz zu machen.

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Beim Weg durch das Dörfli kann es passieren, dass man hinter einer Kuhherde trotten muss. Im Sommer werden die Kühe, wie in alten Zeiten, täglich auf die Alm getrieben. Anja Remmert, die im Kulm Hotel arbeitet, bestreitet jedoch, dass dies nur für die Touristen geschieht: „Natürlich lohnt es sich für den Bauern nicht, die Kühe jeden Tag hochzutreiben und abends wieder abzuholen. Doch die Schweizer Bauern bekommen üppige Subventionen, um ihre Herden aufrechtzuerhalten. Das geschieht übrigens auch zur Pflege der Almwiesen“, sagt sie.
Für Feinschmecker gibt es im nahen Parpan auch noch ein Ziel: die Fleischtrocknerei Jörg Brügger. Seit über 100 Jahren wird hier geräuchert, was das Zeug hält. Vor allem natürlich das berühmte Bündner Fleisch, aber auch Rohschinken, Salsiz (getrocknete Wurst) oder Coppa (eine Schinkenspezialität). Bei Parpan beginnt das „Straße des Bündnerfleisches“, hier haben sich eine ganze Reihe von Fleischtrocknereien angesiedelt. Wer lieber Käse mag: in der Sennerei Maran, nur 10 Minuten von Arosa entfernt, gibt es Alpkäse, Camembert, Schafskäse und selbst hergestellten Quark.

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Buchtipp:
Schweiz
Marco Polo Verlag, 2014
Geraldine Friedrich
11,99 Euro

Information:
www.myswitzerland.com

 

Restauranttipp:
Ein urchiges Restaurant, das vorzügliches Raclette serviert, ist das Burestübli.
http://www.arlenwaldhotel.ch

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