Offroad Marokko

Wie eine Pauschalreise zu einer Survivaltour werden kann.

Erfahrungen macht man nicht nur auf Reisen, sondern auch danach. „Solange nicht genau feststeht, was du dir dort geholt hast, komme ich dich nicht besuchen. Ich hoffe, du verstehst das“, teilen mir Freunde unverblümt am Telefon mit, während ich mit Wüstenfieber zuhause im Bett liege. Am vorletzten Tag hatte es mich gepackt – erst Durchfall, dann Fieberschübe bis 39 Grad, vor allem abends. Ich fühle mich wie ein Aussätziger, dabei habe ich doch nur Fieber! Und immer nur Wasser aus Plastikflaschen getrunken, wie es der Reiseführer geraten hatte. Der Bluttest vom Tropeninstitut erbrachte kein auffälliges Ergebnis. Nach fünf Tagen verschwand das Fieber so plötzlich, wie es gekommen war. Geheimnisse Afrikas…

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Dabei hatte alles so malerisch angefangen. Marrakesch ist ein stadtgewordener Traum aus 1001einer Nacht. Gepflegte Rosengärten wechseln sich ab mit breiten Avenuen.
Vor dem Hotel stehen am nächsten Morgen unsere beiden Offroad-Geschosse: Toyota Landcruiser, wüstenerfahren und frisch gewaschen.

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„Bismillah“ flüstert Rashid, wie immer, wenn er den Fahrersitz des Geländewagens mit Vierradantrieb erklimmt. Der Segen Allahs sollte sich hier, im Dades-Tal in der Geröllwüste Südmarokkos, als segensreich erweisen. Ohne GPS und ohne Kompass, geschweige denn Landkarte, lenkt Rashid das Gefährt vorbei an einer Lehmbausiedlung in Richtung einer Talmulde. Plötzlich bremst er scharf – aus der Talmulde, die er von der letztjährigen Fahrt noch in Erinnerung hat, ist auf einmal eine fast zehn Meter tiefe Schlucht geworden. „Das war der starke Regen, der das hier alles weggespült hat“ lautet Rashids Erklärung, nachdem er sichtlich verwundert aus dem Wagen, zwei Meter vor dem Steilhang, ausgestiegen ist. Die Route muss also spontan geändert werden.

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Nachdem die fünf Mitfahrer Fotos von der unerwarteten Sackgasse geschossen haben, dreht Rashid um. Befestigte Strassen gibt es in diesem Teil von Marokko kaum. Jedes vorbeifahrende Auto wird von Kindern bejubelt, manche räumen sogar Steine aus dem Weg, wenn wir herannahen. Doch als Rashid nun schon viermal durch die Siedlung hin- und herfährt, merken auch die Einheimischen, dass etwas nicht stimmt. Irgendwann klappt es doch noch, und nach zwei Stunden über Felswüste, Wüstenpflanzen und Geröll kommt endlich eine schmale, geteerte Strasse.

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In der Mittagshitze, die schon im Juni knapp über 40 Grad liegt und die sogar Rashid „sehr heiß“ findet, erreichen wir Ait Benhaddou. Ganze zehn Bewohner hat die Siedlung noch, und fast alle bieten ihrer „Berber House to visit“ an. Gegen eine Spende, versteht sich.
Fatima, 46, wohnt mit ihrer bildhübschen Tochter Sana, 12, in einer der zweistöckigen Lehmhütten. Telefon und Strom gibt es nicht, der Komfort erschöpft sich mit einer offenen Feuerstelle und einer „Dusche“, die allerdings von Hand befüllt werden muss. Sana möchte Krankenschwester werden, antwortet sie schüchtern und versteckt sich dabei verschämt hinter der Mutter, um darauf mit einem Nachbarsbaby und einer der vielen streunenden, klapperdürren Katzen zu spielen. Rund drei Euro pro Tag habe sie zur Verfügung, sagt Fatima, aber sie vermisse nichts.

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Die Hitze nimmt auch am späteren Nachmittag kaum ab. Kurz vor dem Übernachtungsziel Ouarzazate liegen die Filmstudios, wo Großwerke wie „Gladiator“ und „Lawrence von Arabien“ gedreht wurden. Die Führung eines 19-jährigen erschöpft sich allerdings im Abspulen der diversen Produktionen, die in den monumentalen Tempeln mit ihren halb verwitterten Löwenreihen und Palästen stattfanden.
Im Gegensatz zu anderen Wüstenhotels gerät das Mercure Ouarzazate zum absoluten Höhepunkt der Reise. Hotelchef Enzo aus Italien garantiert für eine Küche, die marrokanische Kost mit exquisiter italienischer Kulinarik verbindet, und vom Sonnendeck mit Swimmingpool bietet sich der schönste Blick Südmarokkos auf die Kasbah von Ouazarzate und dem fernen Massiv des Anti-Atlas samt traumhaftem Sonnenuntergang. Eine echte Oase, die ich genieße – denn der Weg zurück nach Marrakesch, über steile, unbefestigte Paßstraßen, ausgetrocknete Flußbetten und holprige Geröllwüstenpisten wird hart!

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Die Reise wurde unterstützt von DerTour, die Agentur hat verschiedene Marokko-Rundreisen im Programm.

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